Terroranschlag in Tunis

Die Opferzahl des Terroranschlages am Nationalmuseum Bardo im Stadtzentrum von Tunis ist nach Angaben der tunesischen Regierung auf 23 angestiegen. Am Mittwoch hatten bewaffnete Angreifer das Feuer auf vor dem Museum aus Bussen aussteigende Touristen eröffnet, sich anschließend im Inneren des Gebäudes verschanzt und Geiseln genommen. Spezialeinheiten der Polizei stürmten wenig später das Museum, befreiten die Geiseln und töteten zwei Attentäter. Mindestens neun Menschen, die verdächtigt werden in den Anschlag involviert gewesen zu sein, wurden verhaftet. Unter den 19 toten Ausländern sind nach ersten offiziellen Angaben drei Touristen aus Japan, je zwei aus Frankreich und Spanien sowie je einer aus Polen, Australien, Belgien, Italien, England und Kolumbien. Ein Busfahrer und ein Polizist kamen ebenfalls ums Leben (erschienen in Junge Welt am 20.3.2015).

Tunesiens Präsident Béji Caïd Al-Sebsi verurteilte den Anschlag aufs Schärfste und sagte, Tunesien werde den Kampf gegen den Terror „ohne Gnade“ und bis zum „letzten Atem“ führen. Noch am Mittwoch versammelten sich hunderte Menschen in der Innenstadt von Tunis und demonstrierten gegen den stärker werdenden Extremismus im Land.

Am Donnerstag bekannte sich die radikale Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) zu dem Anschlag und kündigte weitere Attentate an. Die in Libyen und Tunesien operierende Terrormiliz Ansar Al-Scharia dürfte hinter dem Anschlag auf das Museum stecken, hatte sie sichdoch erst im Herbst offiziell dem IS, der große Teile Syriens und Iraks kontrolliert, angeschlossen. Beide getöteten Angreifer seien dem tunesischen Geheimdienst bekannt gewesen, heißt es.

Der Anschlag ist ein Schock für Tunesiens Gesellschaft und ein schwerer Schlag für den Tourismussektor im Land, der rund zwölf Prozent zur Wirtschaftsleistung beiträgt und sich erst 2014 erholt hatte. Tunesien ist das einzige Land der Region, dass sich weitgehend friedlich und demokratisch aus den politischen Wirren der arabischen Revolten 2011 hinaus manövrieren konnte. Terroranschläge fanden bisher ausnahmslos im Süden des Landes statt und zielten auf Staatseinrichtungen. Der Anschlag auf das Museum gefährdet Tunesiens politische Stabilität. Ein Kollaps der Regierung, an der die gemäßigt islamistische Ennahda-Partei beteiligt ist, wird nicht ausgeschlossen.

© Sofian Philip Naceur 2015

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