Tote bei Protesten in Ägypten

Mindestens vier Tote bei Demonstrationen anlässlich des vierten Jahrestages der ägyptischen Revolution. Massive Sicherheitsvorkehrungen im ganzen Land.

Zahlreiche oppositionelle politische Bewegungen riefen für den gestrigen vierten Jahrestag der ägyptischen Revolution landesweit zu Protesten gegen das regierende Militärregime von Staatspräsident Abdel Fattah Al-Sisi auf. Schon seit Donnerstag hatten islamistische und linksliberale Gruppen in Kairo und Alexandria verstärkt gegen das Regime demonstriert. Bei Protesten islamistischer der verbotenen Muslimbruderschaft nahe stehender Studentengruppen in Alexandria starben am Wochenende mindestens zwei Menschen, während schon am Freitag bei der gewaltsamen Auflösung einer Demonstration durch die Polizei in Gizeh ein an der Kundgebung unbeteiligter Busfahrer getötet wurde. Auch am Samstag gingen Sicherheitskräfte gewaltsam gegen Proteste vor. Bei einer von der Sozialistischen Volksallianz organisieren Demonstration im Stadtzentrum von Kairo wurde die 31jährige Aktivistin Shaimaa Al-Sabbagh von Schrotmunition im Gesicht getroffen und erlag später ihren Verletzungen. Während die Volksallianz und anwesende Journalisten von einem friedlichen Protest sprachen und betonten die Sicherheitskräfte hätten ohne Vorwarnung das Feuer eröffnet, beschuldigt das Innenministerium bewaffnete Demonstranten für Al-Sabbaghs Tod verantwortlich zu sein. Ägyptens Premierminister Ibrahim Mehlab ordnete eine offizielle Untersuchung des Vorfalls an (erschienen in Junge Welt am 26.1.20).

Sowohl die Demonstrationen islamistischer als auch linksliberaler politischer Bewegungen blieben klein und weitgehend schlecht besucht, auch da beide Lager konsequent getrennt auf die Straßen zogen. Armee und Polizei hatten bereits rund eine Woche vor dem Jahrestag der Revolution die Sicherheitsvorkehrungen im Land massiv verstärkt. Während traditionelle Versammlungsorte wie der Tahrir-Platz in Kairo immer wieder kurzzeitig abgesperrt wurden, bauten Militär- und Polizeieinheiten selbst in dünn besiedelten Regionen am Roten Meer zahlreiche Checkpoint auf und zeigten Präsenz. Derweil detonierte am Sonntag in Heliopolis im Osten Kairos eine Autobombe und verletzte zwei Polizisten. Die radikale auf der Sinai-Halbinsel operierende Islamistengruppe „Soldaten Ägyptens“ bekannte sich zu dem Anschlag.

© Sofian Philip Naceur 2015

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