Undurchsichtige Militäroperation auf dem Sinai

Die ägyptische Armee setzte am Montag ihre großangelegte Militäroffensive gegen im Land aktive Terrorgruppen fort. Dabei sollen am vierten Tag der Anti-Terror-Kampagne zwölf Terroristen getötet und 92 Verdächtige verhaftet worden sein, erklärte Militärsprecher Tamer Al-Refaie in einer Stellungnahme. 20 Geländewagen, 27 Motorräder und 30 von Militanten genutzte Verstecke oder Waffenlager seien zerstört worden, heißt es weiter (erschienen in junge Welt am 13.2.2018).

Am Wochenende seien bei der am Freitag lancierten Offensive bereits 16 Extremisten getötet und 30 festgesetzt worden. 14 davon sollen der militanten Hasm-Miliz angehören, die der von Ägyptens Regierung als Terrororganisation eingestuften Muslimbruderschaft nahe stehen soll und von der US-Regierung auf die Anti-Terror-Liste gesetzt wurde. Die Militäroperation, an der neben der Armee auch Einheiten von Polizei und Grenzschutz beteiligt sind, konzentriert sich auf die Provinz Nordsinai, in der eine dem sogenannten Islamischen Staat angehörende Terrormiliz bereits seit 2013 regelmäßig Anschläge auf Sicherheitskräfte verübt.

Zweck der Operation sei es, den Terror im Nord- und Zentralsinai sowie westlich des Niltals und im Nildelta auszuradieren, hieß es in der ersten Erklärung der ägyptischen Armee. Die Luftwaffe hatte bereits am Freitag begonnen, Ziele auf der Halbinsel zu bombardieren. Sämtliche Zufahrtswege auf den Sinai wurden gesperrt, Überlandstraßen zwischen den Städten Al-Arish, Sheikh Zuweid und Rafah im Nordsinai abgeriegelt und Grenzkontrollen an Land und auf See intensiviert. Tankstellen in der Region wurde verboten, Treibstoffe an Zivilisten zu verkaufen. Telefon- und Internetverbindungen wurden eingeschränkt und der Schulunterricht in der Provinz auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Die Armee rief zudem die Bevölkerung dazu auf, mit den Behörden zu kooperieren und alles zu melden, dass die „Sicherheit und Stabilität der Nation“ bedrohen könnte.

Schon Tage vor Beginn der Operation war eine Weisung der Regierung an staatliche Krankenhäuser im Sinai, der am Suezkanal liegenden Stadt Ismailia und anderen Orten im Land bekannt geworden, in der diese aufgefordert werden, sich auf Notfälle vorzubereiten und Blutkonserven bereitzuhalten. Die unabhängige ägyptische Internetzeitung Mada Masr berichtet zudem, eine hohe Zahl an Ärzten und medizinischem Personal sei für eine Dauer von bis zu drei Monaten an dortige Krankenhäuser abgeordnet worden.

Die Militäroffensive wird gemeinhin als Reaktion auf den beispiellosen Anschlag auf eine Moschee in einem Dorf nahe der Stadt Bir El-Abd im Nordsinai eingeordnet, bei dem Militante im November 311 Menschen getötet hatten. Staatspräsident Abdel Fattah Al-Sisi hatte kurz nach dem Massaker angekündigt, entschieden zurückzuschlagen und Innen- und Verteidigungsministerium drei Monate Zeit eingeräumt, den Sinai zu sichern und dem Terror im Land den Garaus zu machen.

Ob die konventionell geführte Offensive jedoch ein wirksamer Weg ist, Ägyptens Terrorproblem in den Griff zu bekommen, bleibt zweifelhaft, setzt die auf dem Sinai aktive Miliz doch vor allem auf einen Guerillakrieg gegen den Staat. Die Kampagne findet zudem weitgehend im Dunkeln und ohne unabhängige Berichterstattung statt, denn der Nordsinai ist für Journalisten bereits seit Jahren nicht mehr zugänglich. Der Staatsinformationsdienst forderte die Presse auf, nur offizielle Mitteilungen von Armee und Innenministerium zu nutzen und keine anderen Informationsquellen hinzuzuziehen.

Die Kampagne wird derweil von einer massiven Propagandaoffensive begleitet, veröffentlichte die Armee am Wochenende doch eine Reihe martialischer Videos, in denen jüngste Neuanschaffungen des Militärs zur Schau gestellt werden. Die Armee präsentiert dabei nicht nur Aufnahmen vermummter Spezialeinheiten, Fallschirmjägerstaffeln und Personenkontrollen, sondern auch die in Frankreich erworbenen Rafale-Kampfflugzeuge und die von Deutschland gelieferten U-Boote aus dem Hause ThyssenKrupp.

© Sofian Philip Naceur 2018

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